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Gefühle – wie sie uns bestimmen und was wir von ihnen lernen können

Neulich habe ich mir Gedanken über Gefühle gemacht. Der Auslöser war ein sehr emotionales Wochenende, während dem ich mich von sehr unangenehmen Emotionen geplagt wurde. 

 

Im Yoga Sutra gehören die Gefühle zu unseren citta vrittis, welche ich in diesem Artikel genauer erklärt habe. 

 

Die vrittis sind per se nichts Schlechtes. Sie sorgen dafür, dass wir im alltäglichen Leben zurechtkommen. Andererseits wollen sie uns von unserem „wahren Wesenskern“ ablenken, welcher immer unveränderlich und auch unverletzlich ist. 

Unsere vritis versuchen also, möglichst viel Lärm zu machen, damit wir eben nicht zur Ruhe kommen und das Wesentliche erkennen. Dieser Lärm kann sich in Form von Gedanken zeigen, die ständig um ein Thema kreisen oder eben durch Gefühle.

 

So auch bei mir letztes Wochenende, nachdem ich eine Nachricht erhalten hatte, die mich traurig gemacht hat. Das ist ja erstmal ganz normal und verständlich. Allerdings habe ich festgestellt, dass mich dieses traurig sein doch sehr beschäftigt hat, mehr als ich es wollte.

 

Ich hatte das Gefühl, ich stehe einige Meter neben mir, schaue von außen auf mich drauf und kann keinen Kontakt zu mir selbst aufnehmen. 

 

Zum Glück hatte ich an dem Wochenende viel Zeit für mich und konnte mich damit ausführlicher auseinandersetzen. Ich machte Yoga, Atemübungen, meditierte und verbrachte Zeit in der Natur. Es wurde nicht besser, bis mich plötzlich eine kleine, aber hilfreiche Erkenntnis überkam. 

"Wenn du traurig bist, sei traurig! Wenn du wütend bist, sei wütend! Wenn du glücklich bist, sei glücklich!"

Mein Problem war nicht, dass ich traurig war oder wütend. Mein Problem war, das ich dagegen angekämpft habe: „Ich darf nicht traurig sein. Traurig sein ist schlecht. Wütend sein ist schlecht usw.“

 

Aber ist es das wirklich? Sind solche Gefühle schlecht? Gehören sie nicht zum Leben dazu, genauso wie Glücksgefühle ja auch. 

 

Einzig meine Bewertung hat es so problematisch gemacht. Das dagegen ankämpfen. 

 

Ich stelle mir jetzt meine Gefühle wie einen Zug vor. Einen sehr starken Zug, vielleicht eine Dampflock. Dieser Zug heißt z.B. Traurigkeit. Ich habe den Zug selbst geschaffen. Ich habe Kohlen in den Ofen geschaufelt, damit er mit voller Kraft losfahren kann. Und dann habe ich aber versucht, den Zug aufzuhalten. Ich habe ihn festgehalten, meine Füße in den Boden gestemmt und versucht den Zug mit meiner Körperkraft aufzuhalten. 

 

Ein harter und vor allem unmöglicher Kampf, den ich da geführt habe. 

 

Natürlich verliere ich diesen Kampf und als Folge hänge ich nun an dem fahrenden Zug und werde mitgeschleift.

Was wäre nun die Alternative?

Ich steige ein in den Zug, den ich ja selbst geschaffen habe und der nun mal da ist, sich nicht verleugnen lässt, dieser riesige Zug. Ich kaufe eine Fahrkarte, steige ein, suche mir ein ruhiges Abteil und lasse mich an einem Fensterplatz nieder. Ich spüre, wie ich auf dem weichen Polster sitze. Höre die Geräusche, die der Zug macht, bevor er los fährt. Ich rieche den leicht modrigen Geruch des alten Abteils. Der Zug fährt los und ich spüre, wie wir uns gemeinsam in Bewegung setzen. Nehme wahr, wie sich das in meinem Körper anfühlt. 

Jetzt sehe ich die Landschaft an meinem Fenster vorbeiziehen, immer schneller und schneller. 

Ich bin auf der Reise und spüre jeden Moment ganz genau.

Und schließlich sind wir am Ziel angekommen. Ich verabschiede mich von meinem Zug, bedanke mich für die Fahrt und steige aus. 

Und nun bin ich an einem anderen Ort. Ich habe ein Stück auf meinem Lebensweg zurückgelegt.

 

Ich habe mich weiter entwickelt und kann nun den Zug der Traurigkeit hinter mir lassen. 

 

Ich muss mich nicht mal mehr umdrehen wenn ich weg gehe....

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